24.11.2024 | Chemie Leipzig – FSV Zwickau

Nach Jahren der Begeisterung für Fußball und unzähligen Stunden in verschiedenen Stadien habe ich mich dazu entschlossen, meine Eindrücke und Erlebnisse festzuhalten – und genau daraus ist dieser Blog entstanden. Ground-Hopfing ist meine Plattform, um die Schönheit des Fußballs in all seinen Facetten zu zeigen: die Spiele, die Stadien, die Fans und die unvergesslichen Momente, die diesen Sport so besonders machen.

Dieser Blog ist mehr als nur ein Hobby – es ist eine Reise durch die Welt des Fußballs, die ich ab heute mit euch teilen möchte. Mein Ziel ist es, die Atmosphäre einzufangen, die viele von uns jedes Wochenende in die Stadien zieht. Vom Jubel in den Kurven bis hin zu den kleinen Details, die ein Stadion einzigartig machen: All das soll hier seinen Platz finden.

Den Startschuss für dieses Projekt bildet das Spiel BSG Chemie Leipzig gegen FSV Zwickau – ein Duell, das nicht unbedingt durch die sportliche Klasse besticht, sondern durch die beeindruckende Fankultur beider Seiten. Für meinen ersten Blogeintrag hätte ich mir wohl kaum ein besseres Spiel und kein besseren Ground aussuchen können: ein traditionsreiches Stadion, leidenschaftliche Anhänger und ein Hauch von Ostfußball-Romantik.

In diesem Beitrag nehme ich euch mit in Alfred-Kunze-Sportpark, berichte von meinen Erlebnissen vor Ort und fange die Emotionen ein, die den Fußball so besonders machen.

 Ankunft und erster Eindruck

Nach einigen Stunden Autofahrt Richtung Leipzig begann unser Tag etwas unerwartet: Kaum in der Stadt angekommen, wurden wir direkt von der Polizei herausgezogen. Ein Beamter trat an unser Auto heran, stellte einige Fragen und wollte wissen, ob wir Heim- oder Gästefans seien. Unsere Antwort war „neutral“, doch das schien ihn nicht ganz zu überzeugen. Mit einem skeptischen Blick fragte er uns, wo unsere Fan-Utensilien seien. Also ich wüsste nicht, wie neutrale Fanutensilien auszusehen haben. Nach der Kontrolle von Führerschein und Fahrzeugschein hielt uns der Polizeibeamte nicht unnötig weiter auf und wir durften schließlich weiterfahren.

Als wir in der Nähe des Stadions ankamen, war die Anspannung förmlich spürbar. In der Umgebung reihten sich mehrere Polizeibusse aneinander, und es war schnell klar, dass dies kein gewöhnliches Regionalliga-Spiel sein würde – zumindest, wenn man nicht häufiger in Ostdeutschland hoppen ist. Wir parkten unser Auto und machten uns auf den Weg, keine zehn Minuten durch Leipzig-Leutzsch bis zum Stadion.

Durch eine kleine unscheinbare Straße entfaltete sich der Alfred-Kunze-Sportpark sofort mit seinem ganz eigenen Charme. Auf den ersten Blick mag er alles andere als ein „Schmuckkästchen“ sein, doch genau das macht ihn so einzigartig. Der erste Eindruck? Ein bisschen wie eine Baustelle, die plötzlich verlassen wurde. Unaufgeräumte Ecken, grauer Beton, hier und da Rost – nichts wirkt poliert oder künstlich aufgewertet. Und doch hat der Ort etwas Faszinierendes, fast schon Magisches. Die Authentizität, die Rauheit und der Verfall sind es, die den Alfred-Kunze-Sportpark zu einem echten Fußballerlebnis machen.

Die Gäste aus Zwickau schienen isoliert zum Gästeblock gebracht worden zu sein, und ein kurzer Blick nach rechts vom Stadioneingang offenbarte ihre Ankunft. Vor dem Gästeblock stand ein Wasserwerfer bereit, als ob man auf Unruhe vorbereitet wäre. Zwischenzeitlich hatte ich nicht, dass Gefühl Besucher eines Regionalliga-Spiels zu sein.

Nach etwa zehn Minuten in der Schlange gelangten wir durch die Einlasskontrolle. Die Abwicklung war problemlos und effizient, und plötzlich standen wir im Alfred-Kunze-Sportpark– einem Ort, der in Realität ganz anders wirkte, als die Bilder im Internet vermuten ließen. Und genau das machte den Reiz aus. Das Stadion wirkt in der Wirklichkeit viel authentischer und intensiver, als es Bilder und Videos aus dem Internet ausdrücken können.

Wir entschieden uns, auf der Tribüne Dammsitz Platz zu nehmen, etwas näher am Norddamm – der Heimat der Diabolos Leutzsch und des leidenschaftlichen Chemie-Anhangs. Hier spürte man sofort, dass Chemie Leipzig anders ist als viele andere Vereine im Osten Deutschlands. Direkt fiel die familiäre Atmosphäre auf: Viele Fans standen lieber oben vor den Blöcken, anstatt unten auf den leeren Sitzschalen Platz zu nehmen.

Auch die politische Prägung des Vereins und seiner Anhänger war unverkennbar. Chemie Leipzig lebt und atmet eine alternative, kultige Identität, die sich von den typischen Ostvereinen deutlich abhebt. Hier ist alles ein bisschen anders – rebellischer, weltoffener und unkonventioneller.

Beide Fanlager setzten zu Beginn des Spiels optische Akzente. Der Gästemob aus Zwickau behalf sich rot-weißer Wurfrollen – Ein großes Banner wurde über die gesamte Spieldauer über dem Block mit der Aufschrift „Hängengeblieben auf Rot und Weiss“ aufgehangen. Unterstützt wurde das Gesamtbild von 7–8 Schwenkfahnen, die in den Vereinsfarben wehten.

Auf dem Norddamm begann die Partie mit einer besonderen Geste. Vor dem Anpfiff hielten die Anhänger ihre Schals einheitlich in die Höhe und präsentierten ein schwarzes Banner mit der Aufschrift „Ruhe in Frieden Wolfgang Behla“. Wolfgang Behla war ein langjähriger Unterstützer des Vereins und eine lokale Legende u.a. Torschütze beim entscheidenden Sieg 1964 zum 1:0. Behla ist am 22. November verstorben. Kurz darauf folgte eine kleine Choreografie in der Mitte des Blocks zum Andenken an den zweiten Verstorbenen Chemiker – nämlich Dr. Bernd Bauchspieß. Es wurde ein schwarz-weißes Foto mit dem Chemie-Wappen gezeigt. Links davon prangte die Aufschrift „Für immer Torschützenkönig“, rechts „Für immer Deutscher Meister“. Dieses Bild bezog sich auf Dr. Bernd Bauchspieß, eine Ikone des DDR-Fußballs und unvergessener Chemiker. Danach wurde das grüne Banner durch ein weiteres schwarzes mit der Inschrift „Ruhe in Frieden – Bernd Bauchspieß“ ersetzt. Anschließend wurde von dem Stadionsprecher nach ein paar bewegenden Worten eine Schweigeminute ausgerufen.
Selten habe ich eine Schweigeminute erlebt, die von beiden Fanlagern so respektvoll eingehalten wurde – an dieser Stelle ein großes Kompliment an die Zwickauer Fans, die trotz aller Rivalität eine starke und respektvolle Geste zeigten.

Support während des Spiels

Während des Spiels beeindruckten mich vor allem die Chemie-Fans mit ihren Gesängen. Viele melodische Eigenkreationen wurden minutenlang durch das Stadion getragen, und einige Lieder blieben mir noch lange im Ohr. Besonders kreativ war eine spontane Textänderung eines Zwickauer Fangesangs:

„Es wissen alle Bescheid, dass ihr scheiß Zwickauer seid.

Denn ihr holt nie den Pokal – und eure Stadt ist egal.“

Der Konter der Zwickauer ließ jedoch nicht lange auf sich warten:

„Den Pokal holen wir nie, aber wir besiegen Chemie.“ War die Reaktion des Auswärtsmobs.

Das hat mir sehr gefallen. Das ist Derbystimmung ohne Gewalt und Dinge unter der Gürtellinie. Sondern Schlagabtausch auf der kreativen Ebene und nicht die 0815 Beleidigungen, die so gut wie auf jeden Dorfsportplatz zu hören sind.

Akustisch konnten die Zwickauer auch einige Akzente setzen. Mit rhythmischen Hüpf- und Klatschaktionen versuchten sie sich auch Gehör zu verschaffen. Allerdings ist der Gästeblock nicht sehr gesangsfreundlich: Ohne Dach und mit einer flachen, aber langen Tribüne ist es dort schwierig, Gesänge zu koordinieren und die Lieder zu bündeln. Dennoch war der Einsatz des Gästemobs lobenswert.

Aus neutraler Sicht geht für mich der Stimmungs-Punkt jedoch an Chemie Leipzig. Die Fans haben mich mit ihrer Kreativität und den langen melodischen Gesängen wirklich abgeholt.

Kurzer Einblick in das Sportliche

Auf dem Platz bot sich zunächst ein eher zähes Bild. Über lange Zeit schien es so, als ob der Treffer eines Bierbechers einige Reihen vor uns, der einzige des Spiels sein sollte. Doch plötzlich fiel aus dem Nichts, in der 70. Minute das 0:1 für die Gäste aus Zwickau. Der Jubel auf Seiten der roten Trikots war sehr überschwänglich, was bei den Chemie-Fans auf den Tribünen gar nicht gut ankam.

Wenige Minuten später verschärfte sich die Situation weiter, als ein Chemie-Spieler mit Rot vom Platz gestellt wurde. Es handelte sich um ein Foul aus der Marke klassisches taktisches Foul, das normalerweise eher mit Gelb geahndet wird – doch der Zwickauer Torschütze hat sich hier filmreif auf dem Boden gewälzt und lautstark angedeutet habe, dass es gezwickt hat. Der Schiri belohnte seine Szene mit Rot für den Chemie-Spieler.

Mit dem 0:2 in der 89. Minute schien das Spiel endgültig entschieden. Doch auf und neben dem Platz eskalierte die Stimmung. Rudelbildungen, Bierbecherwürfe und hitzige Beschimpfungen sorgten für ein turbulentes Ende, nachdem der Torschütze besonders provokant vor den Chemie-Tribünen jubelte. Das Ergebnis – die Schiedsrichter durfte nochmal seine rote Karte zum Einsatz bringen und schickte zwei Spieler vorzeitig zum Duschen. Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, wurde das Spiel dann auch wenig später vom Schiedsrichter beendet.

Kulinarische Highlights im Kunze-Park

 Kulinarisch konnte mich Chemie Leipzig und der Alfred-Kunze-Sportpark ebenfalls überzeugen. Besonders die Bratwurst stach heraus – perfekt gegrillt und geschmacklich top. Doch nicht nur das: Der Kunze-Park bietet eine überraschend große Auswahl an großen und kleinen Essensständen, die für jeden Geschmack etwas bereithalten. Von einer einfachen Tüte Fritten bis hin zu Leberkäse und Bouletten – hier kommt jeder auf seine Kosten.

Natürlich durfte auch ein Bier nicht fehlen. Der Becher, nicht mehr mit Freiberger Bier gefüllt, wanderte nach dem Spiel als kleines Souvenir oder Zahnputzbecher mit nach Hause.

Zusammenfassung

Das Spiel zwischen Chemie Leipzig und dem FSV Zwickau im Alfred-Kunze-Sportpark bot alles, was ein klassisches Ostduell ausmacht: Leidenschaftliche Fans, kleine Choreografien und hitzige Momente auf sowie neben dem Platz. Während Chemie Leipzig mit kreativen und melodischen Gesängen überzeugte, zeigten die Zwickauer Anhänger auch einen beherzten Auftritt auf den Rängen – trotz eines akustisch schwierigen Gästeblocks. Auf dem Spielfeld sicherten sich die Gäste mit 0:2 den Sieg in einer intensiven Partie, die bis zum Schluss von Emotionen geprägt war. Der Kunze-Park selbst punktete mit seinem charmanten und ganz eigenen Charakter und einer starken kulinarischen Auswahl. Ein Ground mit klarer Empfehlung für jeden Hobby-hopper!

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen