29.11.2024 | 1. FC Magdeburg – Hertha BSC Berlin

Stadion: 6,5/10 Support: 9,5 Kulinarisch: 6/10

Die Vorfreude auf das „A2-Derby“ zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Magdeburg war groß. Zwei Traditionsvereine mit treuer Anhängerschaft, renommierten Szenen und einer verhältnismäßig kurzen Strecke, die sie trennt – ich versprach mir einer der stimmungsvollsten Spiele aus der aktuellen Zweitligasaison. Obwohl die Anstoßzeit am Freitagabend um 18:30 Uhr für Auswärtsfahrer meist sehr fanunfreundlich ist, konnte sich Hertha diesmal nicht über die Ansetzung beschweren und es war klar, dass der Gästeblock rappelvoll sein wird. Das Spiel war seit Wochen ausverkauft und die Voraussetzung für eine außergewöhnliche Atmosphäre waren geschaffen. Und wie sich zeigen sollte, wurde niemand enttäuscht, aber eins nach dem anderen…

Ankunft und erste Eindrücke

Diesmal entschied ich mich für die Bahn, anstatt wie zuletzt nach Leipzig mit dem Auto zu fahren. Die Strecke nach Magdeburg führte mich zwar wieder in den Osten, aber nicht so weit wie beim letzten Ausflug. Nach der Ankunft am Bahnhof fiel sofort die Präsenz von Polizeiautos und Beamten auf, doch die Lage war noch recht überschaubar. Der Weg zum Stadion führte mich etwa 45 Minuten durch die Innenstadt, über die Elbe und durch ein Wohngebiet. Aus der Ferne waren schon die ersten Böller zu hören und ein paar wenige Raketen zu sehen– die Fanszene des 1.FC Magdeburgs schien sich auf das Spiel einzustimmen. 

Am Stadion angekommen, passierte ich die „Käseglocke“ (mehrere Bier- und Imbissstände) , den berühmten Heimblock U und machte mich auf den Weg zu meinem Platz. Rund 90 Minuten vor Anpfiff war ich da, griff mir eine Wurst und ein Bierchen von den Ständen und ließ das Stadion auf mich wirken. 

Tatsächlich hatte ich bisher noch kein Kreuz hinter dem Magdeburg Stadion machen können und es war mein erster Besuch des Heinz-Krügel-Stadions – ein weiterer Grund meiner Vorfreude einen neuen Ground zu machen. Die Lage des Stadions war jetzt nicht top, aber man musste auch nicht zum Arsch der Welt krackseln. Die Käseglocke und 2 Einkaufsläden machte es auch für die Fans angenehm sich noch diverse Lebensmittel einzuverleiben und sich auf das Spiel einzustimmen. Meine Erwartung an die Arena an sich war ein typischer, moderner 08/15-Betonbau ohne Charme, wie er mittlerweile in vielen Städten der Republik vorzufinden ist – und zum Teil wurde das auch bestätigt. Dennoch war ich positiv überrascht. Die Nähe zum Spielfeld ist beeindruckend, und man spürt förmlich, dass sich dieses Stadion in einen echten Hexenkessel verwandeln kann. Auch die Magdeburg Fans haben mit Graffiti und einigen anderen Bemalungen ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Irgendwie fand ich das Stadion auf jeden Fall einladender als viele andere sterile Beton-/Blechschüsseln.

Heimsupport

Die Magdeburger Fans legten zu Beginn des Spiels einen brachialen Auftritt hin, mit einer Mitmachquote, die ihresgleichen sucht. Besonders die lauten und rhythmischen Schlachtrufe erinnerten stark an die polnische Ultraszene, die bei vielen ostdeutschen Klubs Einfluss hat – Chemie Leipzig und den ein oder anderen Mal ausgenommen. Zwar ließ die Intensität im Laufe der ersten Halbzeit etwas nach, doch das Gesamtbild blieb beeindruckend. Besonders die koordinierten Klatsch- und Hüpfeinlagen setzten optische Highlights und immer wieder hallte es aus Block U und den Nachbarblöcken durch das Stadion. Akustisch war ich aufgrund meiner Nähe zum Hertha-Block etwas eingeschränkt, dennoch kann man ohne Zweifel sagen: Der U-Block gehört zu den besten Heimkurven der 2. Liga – wenn nicht sogar in ganz Deutschland. Negativ anzumerken ist, dass nach dem dritten Tor der Hertha viele Fans vorzeitig den Heimmarsch antraten.

Gästesupport

Auch wenn ich näher an den Magdeburger Fans saß, geht der Stimmungspunkt heute dennoch an die Jungs aus der Hauptstadt. Hertha brachte auf der kurzen Distanz nicht nur Masse, sondern auch echte Qualität in die Kurve. Von Anfang bis Ende war es ein starker Auftritt des Gästemobs. Der Auswärtsblock war dicht beflaggt, mit dem großen Banner „Ostkurve Hertha“ als Blickfang über dem gesamten Bereich. Die Stimmung wurde zusätzlich durch eine eindrucksvolle Pyroshow zu Beginn des Spiels untermalt. Stimmungstechnisch schien heute jedes Lied zu funktionieren und ließ sich in das Stadion übertragen. Ab und an wurden die typischen „HA-HO-HE-Hertha BSC Schlachtrufe“ eingestreut, der für mich einer der besten Schlachtrufe ist. Zum Ende des Spiels stieg die Stimmung und die Freude des Anhangs natürlich nochmal durch die drei Treffer an – dies begünstigte am Ende den Auftritt noch mehr. Mit der 2-Tore-Führung im Rücken hallten auch die melodischeren Lieder durch das Heinz-Krügel-Stadion, die für eine besondere Atmosphäre sorgten. Doch auch in den wenigen Minuten, in denen die Berliner zurücklagen, machte der Block weiter lautstark auf sich aufmerksam. Insgesamt ein großartiger Auftritt von den Jungs und Mädels aus Spandau.

Nicht nur auf dem Platz war die zweite Halbzeit wilder, auch der Security-Dienst hatte während des zweiten Durchgangs alle Hände voll zu tun. Links und rechts ist die ein oder andere kleine Rangelei ausgebrochen und auch mit den Führungswechsel war der Frust bei den Magdeburgern größer.

Kulinarisches Angebot

Das kulinarische Angebot in Magdeburg lässt auf den ersten Blick keine Wünsche offen. Von Handbrot mit Käse in verschiedenen Variationen über Knobibrot bis hin zu den klassischen Wurstgerichten mit Pommes – die Auswahl ist breit gefächert. Leider trübt die Qualität der Bratwurst den guten Eindruck: statt frisch vom Grill kommt sie aus einer Buffet-Alu-Schale (wenn es den Begriff überhaupt gibt), und das Brötchen erinnert eher an ein weiches Ofenbrötchen, das nicht richtig aufgebacken wurde – hier ist definitiv Luft nach oben! Für 4 Euro für ein kleinen Lümmel ließ man sich das Ganze noch ordentlich vergüten. Das Bier hingegen überzeugte: Hasseröder, in den Größen 0,3, 0,5 und sogar 1,0 Liter erhältlich, war geschmacklich top. Ein weiterer Pluspunkt: die zahlreichen Bierwagen rund um das Stadion, die Wartezeiten so gut wie ausschlossen. Praktischerweise war überall Kartenzahlung möglich, was das Ganze noch entspannter machte. Zusammenfassen lässt sich sagen, dass man hier überdurchschnittlich gut aufgehoben ist.

Der Heimweg verlief weitestgehend ereignislos. Unnötige Polizeihunde am Hbf und die unplanbare, planbare Verspätung der Deutschen Bahn.

 Fazit des Stadionbesuchs

Das Duell zwischen Magdeburg und Hertha bot alles, was ein Stadionbesuch braucht: ein mitreißendes Stadion, volle Hütte, starke Fangesänge und eine beeindruckende Atmosphäre. Während die Magdeburger Fans mit ihrem U-Block und lauten Schlachtrufen überzeugten, setzte Hertha mit einer Pyroshow, starken Gesängen und einer beflaggten Gästekurve die Highlights.

Das Stadion selbst war durchnittlich gut und überzeugte durch seine Nähe zum Spielfeld, während das kulinarische Angebot Licht und Schatten zeigte: ein breites Angebot, enttäuschende Bratwurst, aber gutes Bier ohne lange Wartezeiten. Insgesamt bot das Spiel ein großartiges Fanerlebnis und eine fesselnde Atmosphäre, die definitiv Lust auf mehr macht – Magdeburg ist einen Besuch wert!

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