15.12.2024 | FC Energie Cottbus – Hansa Rostock

Einleitung

Stadion: 9,5/10 – Stimmung: 9/10 – Kulinarisch: 7,5/10

Heute ging es mal wieder auf Reise in den Osten der Republik, genauer gesagt: in die Lausitz. Ziel war das „Stadion der Freundschaft“ – ein Name, der zwar einladend klingt, aber mit Blick auf das Duell Energie Cottbus gegen Hansa Rostock eher nicht wie ein Freundschaftsspiel wirkt. Die Anreise erfolgte knapp vier Stunden per Auto, inklusive Blitzerfoto – ein teures Souvenir, das ich nicht bestellt hatte. Nun sei es drum – Cottbus ist nur einmal im Jahr.

Sportlich gesehen läuft es für die Gastgeber, Energie Cottbus, aktuell wie im Märchen: Aufstieg in die 3. Liga und mit einem Sieg heute grüßt man von der Tabellenspitze. Hansa dagegen musste nach dem Abstieg erstmal den Rost abklopfen, kommt aber langsam in Fahrt und kämpft sich nach und nach immer weiter nach vorne. Besonders gespannt waren wir alle auf die Atmosphäre und Stimmung von beiden Fanlagern.

Stadionerlebnis

Nach der langen Autofahrt erreichten wir endlich Cottbus. Wir parkten in einem ruhigen Wohngebiet, das 25 Minuten vom Stadion entfernt lag und abseits vom Trubel gelegen war. Der Weg zum Stadion war eine Mischung aus gemütlichen Sonntagsausflug und Fußball-Mob: Cottbus-Fans zu Fuß, dazwischen ein paar Minibusse aus Rostock, aber erstaunlich wenig Polizei. Das änderte sich, als wir an einem Nadelöhr ankamen. Hier wurden beide Fanlager (zumindest aus dem neutralen Bereich) durch denselben, von der Polizei und Ordnern geschaffenen, schmalen Weg geleitet. Die Kontrollen? Sagen wir mal, sie gingen in die Tiefe. Gürtel runter, Taschen leeren – und ich weiß jetzt, dass ich auch im Schritt anscheinend keine gefährlichen Waffen trage. Einige Rostocker mussten sich an der Seite tatsächlich sogar halb nackig machen.

Nach 15 Minuten Wartezeit plus Ganzkörpermassage führte eine Brücke zum Stadion, und die Mischung an Fans war buntgemischt: Vom Jungspunt bis hin zum alten Haudegen, vom Trikotträger bis zum Hobby-Ultra in der schwarzen North-Face-Uniform war alles dabei. Je näher wir dem Stadion kamen, desto mehr stieg die Vorfreude – auch, weil man den Fußballgeruch förmlich in der Luft spürte. Und ja, hier war was im Anflug – sei es Spannung, Drama oder einfach der Duft von Stadionwurst.

Der erste Eindruck vom Stadion war absolut überragend. So müssen Stadien in den 80ern ausgesehen haben. Kein Schnickschnack, kein High-Tech – einfach rustikales Stadion-Feeling, und ich war sofort Fan. Unser Platz im Block A war auch top. Etwas näher an den Gästeanhang. Hier trafen sich Familien, Freundesgruppen, ganz vereinzelnd sogar Rostocker und ein paar Fußballtouristen wie wir es waren. Niemand, der böse guckte, wenn man mal das Handy in die Hand nahm.

Der Stadionsprecher brachte kurz vor Anpfiff die Stimmung auf Betriebstemperatur – und das so überzeugend, dass ich mich fragte, ob er nicht hauptberuflich Motivationscoach sei. Seine Worte hatten so viel Feuer, dass ich und mein Kumpane Gänsehaut bekam. Die Krönung setzte dann die Energie-Hymne auf. Uns war gar nicht bewusst, dass hier so eine absolut geile Scheibe gespielt wird („Wir kommen auch morgen noch wieder“ – Knappe) Die Nordwand legte dann mit einer Choreografie nach. Zunächst hatte ich den Eindruck, dass die Choreo in die Büchs geht, aber da irrte ich mich. Rote Glitzer Folien mit weißen Glitzer-Folien als Schriftzug „Sieg“ blitzte auf. Einige Augenblicke später wurde von links eine Blockfahne über den linken Teil der Tribüne gezogen – Motiv: eine Art Wikinger oder nordischer Gott, verbessert mich hier, wenn ich falsch liege. Untermalt wurde das ganze von einer großen Zaunfahne mit dem Schriftzug „Auch zur besinnlichsten Zeit – für Energie Cottbus zum Kampf bereit“. Hut ab, denn Choreos mit Hochhalte-Elementen können schnell aussehen wie ein halbfertiges Kunstprojekt. Das war hier eindeutig nicht der Fall.

Auf der anderen Seite zeigten die Rostocker, dass sie ihre Hausaufgaben in Sachen Support gemacht haben. Hansa ist einfach supporttechnisch immer eine sichere Bank. Mit etwa 2.000 Mann erschienen, waren sie laut, aktiv und optisch einfach ein Brett. Die Energie-Fans hielten gut dagegen, und spätestens mit der klaren Führung im Rücken waren sie auch bei uns sehr deutlich zu vernehmen. Zeitweise schaltete die ganze Nordwand ihr Handylicht an und wippte zum Takt des Liedes mit. Hier hätten etwas mehr auf den anderen Tribünen mitziehen können, aber die Nordwand sah schon sehr imponierend aus. Trotzdem: Respekt auch an die Fans von der Ostseeküste, die selbst beim Rückstand weitersangen.

Auch typisch Hansa – man zündelte noch mit Pyrotechnik an geklauten Fanartikeln (von hauptsächlich Union Berlin, ein bisschen Cottbus) herum – nicht unbedingt Szene-Ware, sondern eher die Familien-Kollektion aus dem Fanshop.

Unterm Strich war ich einfach dankbar, dieses Spektakel live erleben zu dürfen. Die Fans von Energie Cottbus dürften ähnlich fühlen, denn ihre Mannschaft zeigte sich heute in guter Form und mit Kampf und Leidenschaft: Ein 3:0 wurde am Ende zu einem 3:1-Heimsieg. Rostock war dabei keineswegs schlecht, nur das Quäntchen Glück fehlte gerade in der ersten Halbzeit. Zwei Aluminium-Treffer, die das 0:1 zur Folge gehabt hätten. Der Spielverlauf wäre sicher ein anderer gewesen.

Noch eine Randnotiz aus der Halbzeitpause: Gerade hatte ich voller Vorfreude in die Stadionwurst gebissen, da rauschten 50 bis 70 schwarz gekleidete, halbvermummte Cottbuser wie eine Sturmflut von hinten heran. Ob sie bei den Gästen mal „Guten Tag“ sagen wollten oder einfach nur für die Sicherheit sorgten – keine Ahnung. Jedenfalls war das ein zusätzlicher Adrenalin-Kick zum Senf auf der Wurst.

Kulinarische Aufstellung

Und damit haben wir auch die Brücke zur kulinarischen Abteilung geschlagen. Im Stadion der Freundschaft ist der Grill die Bühne und die Stadionwurst der Star. Das Angebot war vielseitig: von heißen Waffeln über Bouletten und Currywurst bis hin zu Pommes. Doch ich hielt mich an den Klassiker – die Stadionwurst. Kein langer Stadionlümmel, sondern eine solide, dicke Variante. Schön vom Grill, heiß, und das Brötchen dazu sogar besser als bei meinen letzten Besuchen. Geschmacklich war sie nah dran am Titel „Wurstmeister“, aber ein Hauch mehr Würze hätte den letzten Feinschliff gebracht.

Die Pommes hingegen waren leider ein Griff ins Klo: Außen sahen sie eigentlich top aus, innen jedoch mehlig wie ein missglückter Instant-Kartoffelbrei. Dafür gibt’s Abzüge in der B-Note. Und beim Bier? Tja, da muss ich passen. Ich war zu sehr mit meinem Flüssigkeitsausgleich vom Vortag beschäftigt und konnte mir keinen Erfahrungsbericht erschummeln. Nächstes Mal dann – Ehrenwort!

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